Dieser Bericht von Chris erschien zuerst in der Frei Atmen 1/19

Schokofahrt #4
Vom emissionsfreien Transport zum glücklichen Genuss

100 Radfahrer transportierten Anfang Oktober 2018 mit Tourenrädern, Lastenrädern, Liegerädern, Anhängern und Packtaschen rund 1,5 t Schokolade von Amsterdam in 20 Städte Deutschlands. Dabei war diesmal das Team ADFC Bochum & Hattingen mit vier Fahrern.

Die Idee ist einfach. Die Tres Hombres, ein zweimastiger Lastensegler, der zwischen Europa und Amerika pendelt, liefert emissionsfrei Kakaobohnen aus der Dominikanischen Republik nach Amsterdam, und zwar an die Schokoladenmanufaktur der Chocolatemakers. Da liegt es nahe, das fertige Produkt entsprechend weiter zu Händlern und Verbrauchern zu transportieren. Nunmehr erfolgte die vierte Fahrt seit 2017.

Am 04.10.2018 trafen sich Fabian (Organisation), Robert (Mechanics) und Christoph (Routing) an der Glocke vor dem Rathaus in Bochum. Nach einem ökologisch korrekten Kaffee aus der Thermokanne startete das Team zur ersten Etappe über Wesel, Xanten und Kleve nach Nijmegen. Zügig wurde mit zwei Bullits und einem Tourenrad nebst Anhänger das mittlere Ruhrgebiet durchfahren. Im weiteren Verlauf war jedoch an einen schnellen Durchmarsch nicht zu denken. Denn bereits hinter Gladbeck erlitt das Trio einen kapitalen Hinterradschaden. Achsbruch und Laufrad konnten jedoch dank der Unterstützung eines Zweitaktschraubers mit Teilen aus dem Sekundärrohstoffbehälter temporär instand gesetzt werden. In Kleve wurde dann aber endgültig ein neues Laufrad fällig.

Von der maroden Ausrüstung auf die Fahrradinfrastruktur zu schließen, läge nahe, wäre aber böse. Dennoch nervten die vielen Drängelgitter und Vorfahrtgewährenschilder auf Radwegen im Kreis Kleve. Nach Überschreiten der Landesgrenze bei Kranenburg von Entschleunigung keine Spur mehr. Hier winkten überall Vorfahrtschilder und Vorrangschaltungen für Radfahrer. Trink- und Navigationspausen sowie E-Mails checken vor Ampeln und Überwegen waren nicht mehr möglich.

Die zweite Etappe führte zunächst nach Amersfoort. Hier traf das Team seinen vierten Mann. Christian war um 3.00 Uhr nachts in Nordkirchen im südlichen Münsterland gestartet. Sie nannten ihn darum „Du Tier“. Außerdem schlossen sich noch zwei Duisburger an. Durch Wald und Heide dann in die Hölle des amsterdamer Feierabendverkehrs. Am Megastau des motorisierten Individualverkehrs (MIV) vorbei auf geschützten Radwegen ins Stadtzentrum. So geht Radverkehr!

Am Samstag dann endlich der Besuch der Chocolatemakers. Enver Loke und Rodney Nikkels, die Gründer der Manufaktur, sowie die Fahrradbürgermeisterin von Amsterdam begrüßten die Transporteure. Eine Werksführung schloss sich an. Hier erzählte Enver die Hintergründe der Chocolatemakers. Beide kommen ursprünglich aus der Entwicklungshilfe. Sie wollen die Bauern in die Lage versetzen, ohne Zwischenhandel ihre Erzeugnisse direkt zu vermarkten und dadurch faire und gute Preise zu erzielen. Dies gehe natürlich nur über erstklassige Produkte und gute betriebswirtschaftliche Abläufe, so Enver. Um hier Hilfestellungen zu geben, besuchen die Schokolatiere regelmäßig ihre Lieferanten. Damit aus der erstklassigen Kakaobohne erstklassige Schokolade wird, haben sich Enver und Rodney für eine besonders schonende Zubereitung entschieden, die langsam, ohne Palmöl und mit nur wenig Zucker erfolgt. Da moderne Maschinen dafür nicht geeignet sind, arbeiten sie teilweise mit historischen Geräten, die 50 Jahre und älter sind. Teilweise entwickeln und bauen sie die Maschinen sogar selbst. Heraus kommt eine Schoki, die bereits nach dem ersten Riegel glücklich macht.

Die Rückfahrt erfolgte am Sonntag bei Königinnenwetter, und zwar zusammen mit Caro und Andy vom Team München. Die Route führte über Breukelen und Utrecht nach Nijmegen vorbei an hochherrschaftlichen Herrenhäusern, pittoresken Hebebrücken, malerischen Dörflein und durch herrliche Parklandschaften. So stellt sich der gemeine Deutsche Holland vor. Die letzte Etappe führte Montag entlang des linken Niederrheins über die Bislicher Insel nach Orsoy. Die Windhölle von Xanten, die bei der letzten Schokofahrt im Frühjahr des Jahres das Peloton noch weit auseinander gerissen hatte, verschlief diesmal die Durchfahrt. Bei der Fährüberfahrt nach Walsum bestaunten die bayerischen Freunde die Industriekulisse Duisburgs. Wasserdampfwolken der Kokerei wälzten sich durch spätsommerlichen Himmel. Der beißende Geruch der Hochöfen zerschnitt das Bild ländlichen Friedens. Willkommen im Ruhrgebiet. Hier trennten sich die Wege. Das Team Bochum & Hattingen stieß mit einem letzten Kraftakt durch nach Bochum. Das Team München freute sich auf acht weitere Etappen entlang des Rheins und durch Franken nach Bayern.

Mit einem Grinsen im Gesicht lieferten Dienstag Christian, Fabian, Robert und Christoph ihre wertvolle Fracht an die Flotte Karotte in Bochum-Wattenscheid und den Bioladen Kraftvoll in Hattingen aus. Dort ist die Schoki in den Ausführungen 40% und 75% für Genießerinnen und Genießer zu erwerben.

Die Schokofahrt #5 ist für Ostern 2019 geplant.