Dieser Bericht erschien zuerst bei Lasse – dein Lastenrad für Münster.

Vom 10.-13.03.2017 waren LASSE und Crew auf der ersten Schokofahrt von Amsterdam nach Münster.

Die Idee der Schokofahrt#1 war simpel: Die Lücke schließen.

Lasse vor dem Amsterdamer Petro-Hafen
Die köstlichen 3 von der Tres Hombres: Kaffee (vorne liegend), Kakao (re., stehend), Rum (li.)

Jene Lücke nämlich, die uns in Münster trennt von den emissionsfrei transportierten karibischen Köstlichkeiten, die unsere Nachbarn in Oranje ohne weiteres kaufen können. Das können sie dank einiger Lastensegelschiffe wie der Tres Hombres, die regelmäßig den Atlantik überquert und dabei Kakao und andere Waren aus der Dominikanischen Republik oder von Barbados nach Den Helder und Amsterdam bringt. Schokolade also als echter Luxus, so wie früher einmal – sollte man meinen. Aber angesichts des Aufwands erscheinen die 3,50€ pro Tafel dann doch recht erschwinglich. Klar, Schokolade aus der Bückzone jedes Supermarkts bringt teilweise nur 0,35€ auf die Waage, aber dann wissen wir ja auch, wieso – oder besser gesagt, wir wissen es halt nicht wirklich und wollen und werden es auch nie wirklich wissen, was schwerlich besser ist.

Wie dem auch sei, dies hier soll die Geschichte eines (heutzutage) ungewöhnlichen Wegs einiger Tafeln Schokolade sein, nicht die Geschichte der Schokolade selbst. (…ohnehin grandios erzählt von De Chocolatemakers, bei denen jede Sorte ein eigenes Projekt ist.)

Aber der Beweggrund soll vorab verständlich werden: Warum nur fahren 4 Menschen in 2 Tagen etwa 250 km mit dem Rad, bepackt mit 60 kg Fracht, die sie in einer kaum längeren Zeit, unwesentlich teurer und mit geringen Versandkosten einfach hätten liefern lassen können? Auch hier ist die Antwort simpel: Weil es geht. Und mir fiele auch kein Weg ein, eine solch feine, ungesunde, weitgereiste Schöpfung des menschlichen Genies besser zu würdigen – welche Schokolade könnte mehr Freude bringen, als diese? Dagegen kann die einmal-bücken-35-cent-Tafel schlicht und ergreifend einpacken, und wenn man fürs selbe Geld 10 davon bekommt.

Soviel der Litanei. Es folgen 3 Tage, 250 km, 60 kg Schokolade, Rum und Kaffee, 20 Stunden Sonne und Wind, der uns das Haar zerzaust.

Tag „0“ – Ladung aufnehmen

Bitte ergänzen: Lastenräder verhalten sich zu Amsterdam wie Eulen zu … . Lasse macht sich gut in der artgerechten Haltung.

Enver von De Chocolatemakers erklärt uns den Betrieb, zwischen traditioneller Technik und selbst entwickelten Geräten.

Die Tonne handgepflückten Bio-Kakaos muss noch bis Mai halten. Dann kommt die Tres Hombres mit Nachschub.

Vor der knusprigen Variante eines Bällebades, die Badehaube schon in Position.

Hier hat alles seine Ordnung: Der Handschlag besiegelt das Geschäft.

Chamäleongleich fügen sich die deutschen Lastenradler ins amsterdamer Lokalkolorit.

Radtag 1 – Fahrt aufnehmen

Vor unserem schwimmenden Heim laden wir ein. Die Ladung ist beisammen und münsterwärts geht’s, bei Wind, Sonne und 2°C – noch.

Durch Amsterdam neuen schwimmenden Osten, dann weiter über Brücken, Radschnelltrassen,  Polder und Deiche geht es quer durch das Land der Fahrräder, doch selbst hier fällt Lasse auf.

Das Wasser bleibt zunehmend hinter uns, Apeldoorn begrüßt uns zuerst mit Heide und Buchenwäldern sowie einem Berg (jaja…), bevor Lasse und wir uns im Krokusmeer ausstrecken dürfen.

Radtag 2 – Abschied nehmen und ankommen

Das hübsch alte Deventer bietet uns eine unerwartet schöne Unterkunft, um die Beine zu strecken und uns für den zweiten Tag zu rüsten.

Am nächsten Morgen dürfen wir hier niederländischen Pendlerverkehr erleben – man stelle sich vor: 4 m breite, gut gebaute zwei-Wege-Radspuren an Hauptstraßen mit grüner Welle.Und fließenden Radverkehr mit tausenden Fietsen. Ach ja, Autos gibt es auch, die stören aber nicht, man kommt sich ja nicht in die Quere. Hier fährt man nicht „trotzdem“ Rad, sondern „weil“.

Nach weiteren 60 km – es klingt wie ein blödes Klischee, ist aber bittere Wahrheit – tut Radfahren der Seele und dem Körper weh. Deutschland, genauer Gronau, heißt uns willkommen, mit scharfen Schwellen, Schlaglöchern, Nachrang gegenüber Nebenstraßen oder Mülltonnen auf den Radwegen. Könnte ein Zusammenhang damit bestehen, dass uns auf 10 km nur 5 Radfahrer begegnen? Durch muss man ja trotzdem.

Nach Ochtrup und Steinfurt nehmen wir in Altenberge das Dach der Tour in Angriff, es folgt die finale Abfahrt nach Münster, wo wir höchste pünktlich um 16:45 zum Fotofinish einrollen. Die Fans fairer Futterei sind schon da und begrüßen uns begeistert. Wie auf Bestellung stehen am Weg zur Hammerstr. Ca 80 Busse plus Autos Spalier. Grund: Der automobile Verkehr am Ludgerikreisel ist kollabiert, wir rollen dran vorbei – na so was…

Es war unsere erste Fahrt dieser Art. Aber die einzige? Wohl kaum.

Danke an alle, die uns dabei unterstützt haben!

Euer LASSE-Team